Wenn‘s mal so richtig blitzt und donnert – so schützt man sich beim Camping vor Gewittern

Wenn‘s mal so richtig blitzt und donnert – so schützt man sich beim Camping vor Gewittern

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Praktisches und Nützliches

Wenn‘s mal so richtig blitzt und donnert –
so schützt man sich beim Camping vor Gewittern

 

Foto: c/o AdobeStock, Mastersky
Illustration: c/o EB-VDE e.V.

Camping ist die ideale Urlaubsform für Naturliebhaber. Je natürlicher und ursprünglicher die Umgebung, desto besser. Denn wo lässt es sich schöner entspannen als in freier Natur unter blauem Himmel? Doch Urlaub in der Natur birgt auch Risiken. Wer beim Zelten schon mal von einem Gewitter überrascht wurde, weiß, wie schnell es ungemütlich und sogar gefährlich wird. Wie man sich am besten im Camper oder Zelt bei Blitz und Donner verhält, erfahren Sie in diesem Artikel.

Wie schützt man sich im Freien vor Blitzen?

Nahezu alle Blitzunfälle ereignen sich außerhalb von Gebäuden. Wolken-Erde-Blitze schlagen an Stellen ein, die die Umgebung überragen. Wird man vom Gewitter überrascht, so bieten Gebäude mit Blitzschutzanlagen und Fahrzeuge mit Metall-Karosserie sicheren Schutz vor Blitzschlag. Ein sogenannter Faraday’scher Käfig wird in Fahrzeugen, Eisenbahnwagen oder Zugmaschinen mit metallischen Aufbauten wie Wetter- und Überrollschutz gebildet.

In Holz- oder Steinhütten ohne Blitzschutzanlage empfiehlt es sich, in der Mitte des Gebäudes Hockstellung einnehmen. Sind solche Schutzeinrichtungen nicht zu finden, sollte man:

  • alle exponierten Stellen wie Hügel, freies Gelände, Böschungsränder, Waldrand, einzelnstehende Bäume und Baumgruppen, Ufer und Holzmasten meiden.
  • Gleiches gilt auch für Stellplätze von Fahrzeugen und Zelten: Im Zweifelsfall sollte man lieber den Stellplatz verlassen und einen sicheren Ort aufsuchen.
  • Bodenmulden, Hohlwege, den Fuß eines Felsvorsprunges oder das Innere eines Waldes mit gleichmäßig hohem Baumbestand aufsuchen
  • sich mit geschlossenen Beinen und eingezogenem Kopf hinhocken (Kauerstellung – nicht setzen oder legen: Schrittspannung!)
  • keine Personen oder Tiere berühren oder sich gegenseitig einhaken
  • nicht in Gruppen nahe beieinanderstehen, sondern getrennt Schutz suchen
  • Abstand von Metallgittern und Weidezäunen halten und keine metallischen Gegenstände berühren
  • sich bei Bäumen mindestens so weit von den Astspitzen entfernt hinhocken, wie die Astspitzen vom Stamm entfernt sind

Ist man im Zelt oder Vorzelt vor Blitzen geschützt?

In einem Zelt sind Personen nicht ausreichend gegen die Auswirkungen eines Blitzschlages geschützt. Der Blitz schlägt in das Metallgestänge ein, überspringt und durchschlägt isolierte Stellen, zum Beispiel den Zeltboden, und fließt meist ungleichmäßig verteilt über die Zeltstangen in die Erde ab. Um die Zeltstangen herum bilden sich im Erdreich Spannungstrichter mit der Gefahr der Schrittspannung. Eine weitere Gefahr besteht für Personen durch die Nähe des Blitzstrom führenden Zeltgestänges. Besonders wenn der menschliche Körper besser geerdet ist als die benachbarte Zeltstange, kann es zu einem Funkenüberschlag und damit zu einem Stromfluss über den Körper kommen.

Wie schützt man sich im Zelt bei Gewitter?

Man sollte bereits vor dem Gewitter das Zelt verlassen und – wenn möglich – ein Fahrzeug oder Gebäude aufsuchen. Andernfalls ist folgendes zu beachten:

  • Zeltwand und Zeltgestänge nicht berühren, auch wenn der Sturm noch so tobt
  • Sich in der Zeltmitte – möglichst entfernt vom Zeltgestänge – in Kauerstellung hinhocken
  • Auf keinen Fall auf den blanken Boden, sondern möglichst auf die trockene Luftmatratze oder eine Campingliege mit Metallgestänge setzen und dabei das Metall und den Boden nicht berühren
  • In das Zelt führende Stromkabel und andere Kabel (WLAN, Kabel für SAT-Antenne etc.) entfernen
  • Plastikteller oder Gummikapsel an den Gestängefüßen zur besseren Erdung entfernen

Zur Vermeidung der Schrittspannung sollte das Zeltgestänge einen geschlossenen metallischen Verbund bilden. Dies wird durch folgende Maßnahmen – nach ihrer Wirkung aufgezählt – erreicht:

  • Unter dem Zeltboden metallischen Untergrund (Drahtgeflecht) anbringen und mit dem Zeltgestänge leitend verbinden.
  • Alle Zeltstangen durch eine auf dem Boden liegende Metallringleitung, möglichst mit Mittelkreuz, miteinander verbinden.
  • Zusätzliche metallische Zeltstangen verwenden und als Gestängekasten ausbilden. Je dichter das Gestänge wird, umso mehr wird der Zeltinnenraum frei von elektrischen und magnetischen Feldern (Faraday’scher Käfig).

Ehrlicherweise muss man anmerken, dass die letztgenannten Maßnahmen zwar theoretisch schützen, in der Praxis aber häufig nicht durchführbar sind. Viel einfacher ist, gar nicht erst in einer solche Situation zu kommen und sich schon rechtzeitig um einen sicheren Platz zu kümmern.

Bin ich bei Gewitter im Wohnmobil und Wohnwagen während der Fahrt sicher?

Obwohl ein Kraftfahrer in seinem Auto gut gegen Blitzschlag geschützt ist, muss während eines Gewitters mit zusätzlichen Gefahren gerechnet werden:

  • An Ampeln, Warnanlagen an Bahnübergängen und sonstigen Signalanlagen ist während und nach einem Gewitter Vorsicht geboten. Durch Blitzeinwirkungen können diese ausgefallen sein.
  • Der grell aufleuchtende Blitz ruft eine sehr starke, kurzzeitige Blendung hervor. Diese kann genügen, um beim Fahren von der Straße abzukommen.
  • Außerdem kommt es bei Gewittern häufig zu heftigem Starkregen, der die Fahrbahn rutschig werden lässt. Daher während eines Gewitters möglichst einen Parkplatz aufsuchen.

Fahrzeuge mit Aluminium-Außenbeplankung

Keine Probleme gibt es bei Fahrzeugen mit einer Metallhaut aus 0,5 mm starkem Aluminium. Diese und andere Metallteile müssen aber leitend mit dem Fahrzeugrahmen verbunden sein (sonst erfolgt ein Überschlag mit Beschädigungen an den Unterbrechungsstellen), dann kann der Blitz problemlos den kürzesten Weg zur Erde finden. Er fließt entweder über die Kurbelstützen ab oder – wenn diese nicht ausgefahren sind – über das am besten geerdete Rad. Dennoch sind einige Sachen bei Gewitter zu beachten:

  • Fenster, Türen und Dachluken schließen
  • weder ein- noch aussteigen (Schrittspannung!)
  • keine metallischen Teile der Einrichtung anfassen, auch nicht Geschirr spülen oder duschen
  • ausfahrbare Antenne einziehen, auch wenn das Antennenaußenrohr nicht metallisch mit Alu-Außenhaut verbunden ist
  • Antennenkabel aus dem Gerät ziehen und erden (verbinden mit Alu-Außenhaut)
  • 230-V-Kabel außen am Wagen abziehen und den Stecker mindestens einen Meter entfernt ablegen, damit nicht eine durch Blitz verursachte Überspannung auf diesem Weg ins Wageninnere gelangt

Fahrzeuge mit Kunststoffaufbau

Ein Fahrzeug mit Kunststoffaufbau ohne Metallgerippe oder Metallgeflecht in den Außenwänden bildet keinen Faraday’schen Käfig und daher keinen Schutz gegen Blitzschlag. Ein Blitz kann ohne weiteres in das Innere des Fahrzeugs auf metallische Gegenstände, wie Gas- oder Elektroinstallation, oder auf die Insassen durchschlagen. Gasleitungen können dabei an den Verbindungsstellen undicht werden. In Fahrzeugen dieser Bauweise sollte man sich daher bei Gewitter möglichst in Fahrzeugmitte bodennah in Hockstellung aufhalten.

Wohnmobile und Wohnwagen mit Hub- oder Klappdach aus Kunststoff

Durch den Dachausschnitt entsteht im Faraday’schen Käfig des Fahrzeuges eine Lücke. Man sollte deshalb folgendes beachten:

  • Hub- oder Klappdach schließen
  • nicht mit dem Kopf in den Bereich des Daches kommen
  • am sichersten ist es, wenn man sich im Führerhaus des Wohnmobils aufhält
  • Um den Blitzschutz zu verbessern, sollten im Kunststoffdach Metallrahmen und -streben eingearbeitet sein, die metallisch mit dem Hubgestänge und dem Blechdach verbunden sein müssen. Hierzu dient auch ein metallischer Dachgepäckträger, der an den vier Ecken mit der Blechhaut und dem Fahrgestell metallisch zu verbinden ist.
  • Reifen nach Blitzeinschlag kontrollieren

Sollte ein Blitzeinschlag ins Fahrzeug erfolgt sein, muss unter anderem mit Reifenschäden gerechnet werden. Im Hochspannungslabor künstlich erzeugte Blitze, die nur ein Hundertstel bis ein Tausendstel der Stärke natürlicher Blitze erreichen, zogen bereits die Karosserie, vor allem aber die Reifen in Mitleidenschaft. Schlauchlose Gürtelreifen zeigten in den Profilrillen millimetergroße Löcher. Teilweise waren sogar die Drähte des Stahlgürtels angeschmolzen.

Wassereintritt und die daraus resultierende Korrosion des Stahlgürtels kann zur Ablösung der Lauffläche und zum gefürchteten Platzer führen. Deshalb sollte nach einem Blitzeinschlag unbedingt geprüft werden, ob die Reifen Durchschlagstellen oder anderweitige Schäden aufweisen. Ob ein Blitz die Reifen nun durchschlägt oder sich einen anderen Weg zur Erde sucht, ist nicht vorhersehbar. Er kann auch direkt vom Fahrzeugboden oder entlang der Reifenflanken seinen Weg zur Erde nehmen, wobei die Reifen unbeschadet bleiben.

Editor: Volker Ammann, Quelle: PINCAMP, Titelfoto: c/o Gerd Altmann, Pixabay

Wir bedanken uns herzlich bei PINCAMP für die freundliche Unterstützung. Auf www.pincamp.de finden Sie den passenden Campingplatz an Ihrem Reiseziel und können ihn auch direkt buchen.