Mörderisches Münster – auf den Spuren von Wilsberg, Professor Boerne und Kommissar Thiel

Mörderisches Münster – auf den Spuren von Wilsberg, Professor Boerne und Kommissar Thiel

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Städtereise

Der Prinzipalmarkt in Münster, eine der nobelsten Einkaufsstraßen Deutschlands. Foto: c/o Volker Ammann

Mörderisches Münster – auf den Spuren
von Wilsberg, Professor Boerne und Kommissar Thiel

Die wunderbare neue Höfe-Architektur des Museums spielt in einem Tatort eine wichtige Rolle. Foto: c/o Volker Ammann
Die wunderbare neue Höfe-Architektur des Museums spielt in einem Tatort eine wichtige Rolle. Foto: c/o Volker Ammann
Das nach Kriegszerstörungen wiederaufgebaute Rathaus zeugt mit seinem Friedenssaal von einem welthistorischen Moment - hier wurde nach zähen Verhandlungen mit dem Westfälischen Frieden von 1648 der 30jährige Krieg beendet. Foto: c/o Volker Ammann
Das nach Kriegszerstörungen wiederaufgebaute Rathaus zeugt mit seinem Friedenssaal von einem welthistorischen Moment - hier wurde nach zähen Verhandlungen mit dem Westfälischen Frieden von 1648 der 30jährige Krieg beendet. Foto: c/o Volker Ammann
Münster ist auch eine beliebte Einkaufsstadt. Foto: c/o Volker Ammann
Münster ist auch eine beliebte Einkaufsstadt. Foto: c/o Volker Ammann
Das Antiquariat von Michael Solder, wird im Film zum Antiquariat Wilsberg. Foto: c/o Volker Ammann
Das Antiquariat von Michael Solder, wird im Film zum Antiquariat Wilsberg. Foto: c/o Volker Ammann
Der Münsteraner Dom. Foto: c/o Volker Ammann
Der Münsteraner Dom. Foto: c/o Volker Ammann
Die Lampertikirche  hat hoch am Turm drei Eisenkörbe, in denen der siegreiche Bischof die sterblichen Überreste dreier Täuferanführer ausstellte – zum Zwecke der Abschreckung. Foto: c/o Volker Ammann
Die Lampertikirche hat hoch am Turm drei Eisenkörbe, in denen der siegreiche Bischof die sterblichen Überreste dreier Täuferanführer ausstellte – zum Zwecke der Abschreckung. Foto: c/o Volker Ammann
Das barocke Juwel wurde von Münsters berühmtem Baumeister Johann Conrad Schlaun als fürstbischöfliche Residenz errichtet. Foto: c/o Volker Ammann
Das barocke Juwel wurde von Münsters berühmtem Baumeister Johann Conrad Schlaun als fürstbischöfliche Residenz errichtet. Foto: c/o Volker Ammann
Das Amtsgericht gehört zum umfangreichen Gerichtsquartier an Schlossplatz und Stadtgraben. Foto: c/o Volker Ammann
Das Amtsgericht gehört zum umfangreichen Gerichtsquartier an Schlossplatz und Stadtgraben. Foto: c/o Volker Ammann
Im Film eignet sich der Aasee hervorragend, um
z.B. eine Leiche unter- und wieder auftauchen zu lassen. Foto: c/o Volker Ammann
Im Film eignet sich der Aasee hervorragend, um z.B. eine Leiche unter- und wieder auftauchen zu lassen. Foto: c/o Volker Ammann
Der Große und der Kleine Kiepenkerl. Foto: c/o Volker Ammann
Der Große und der Kleine Kiepenkerl. Foto: c/o Volker Ammann

Münster ist eine Stadt, die ihre Geschichte lebendig hält. Häuser, Kirchen und Plätze in der restaurierten Altstadt „erzählen“ Geschichten aus verschiedenen Jahrhunderten und schaffen eine Kulisse, die jeden Besuch zum Erlebnis macht. Und – Münster hat viele Gesichter: Sie ist die Stadt des Doms und der Kirchen, der Fahrräder, von Kunst und Kultur, Einkaufs- und Erlebnisstadt und seit Jahren auch die „Stadt der Mörder“. Dank Wilsberg und dem Tatort mit Professor Karl-Friedrich Boerne und Hauptkommissar Thiel, ist Münster dauerhaft im Fernsehen präsent. Dabei gelingt es den Regisseuren immer wieder, die schönsten Seiten der Stadt in die Handlung einzubauen.

Bei unserem Besuch folgen wir den Spuren des „mörderischen Münster“ und schauen uns verschiedene Drehorte an. Damit man diese auch leicht findet, hält Münster Marketing in der Tourismusinformation am Prinzipalmarkt eine informative Broschüre bereit. Mit der darin enthaltenen Karte gelingt die Spurensuche und wird zu einem „Mordsvergnügen“. Ideal – die meisten Sehenswürdigkeiten der Stadt sind bequem zu Fuß erreichbar.

Die ersten Locations finden wir direkt an der Tourismusinformation: das Rathaus mit seinem Innenhof. Das nach Kriegszerstörungen wiederaufgebaute Rathaus zeugt mit seinem Friedenssaal von einem welthistorischen Moment – hier wurde nach zähen Verhandlungen mit dem Westfälischen Frieden von 1648 der 30jährige Krieg beendet. Auf dem Platz des Westfälischen Friedens steht eine wichtige und zum Ort passende Skulptur: „Toleranz durch Dialog“ – die beiden wuchtig-zerklüfteten Eisenbänke des berühmten Basken Eduardo Chillida.  In einer Folge des Tatorts, anlässlich einer Skulpturen-Ausstellung, taucht ein außerplanmäßiges Kunstwerk auf, das sich wiederum als maskierte Leiche entpuppt. An das Rathaus grenzt auf der Rückseite das Stadthaus an. Darin ist die Münsteraner Stadtverwaltung zuhause und auch der Oberbürgermeister residiert hier. Gegenüber, am Stadthausturm, werden unter der Woche sowie samstags, Kinder mit Spiel und Spaß betreut. So erhalten ihre Eltern Gelegenheit, Münster entspannt genießen können.

Wir laufen jetzt zum Prinzipalmarkt. Mit den Arkaden ist der Platz mit der verlängerten Straße, eine der nobelsten, und teuersten, Einkaufsstraßen Deutschlands. Unter den Bögen spürt man beim Bummeln den Puls der alten Hansestadt. Hier am Geldautomaten versucht Kommissar Thiel, als Running-Gag regelmäßig erfolglos Geld abzuheben. Nach so viel luxuriösen Eindrücken (Unser Tipp: Männer haltet eure Frauen von den Kreditkarten fern), laufen wir durch die Rothenburger Straße zum nächsten Drehort, dem LWL-Museum für Kunst und Kultur. Das Museum wurde 1836 vom Westfälischen Kunstverein eröffnet und war bis 1933 das Landesmuseum für die Provinz Westfalen. Im 2. Weltkrieg zerbombt, wurde das Museum bis 1974 wieder aufgebaut und prägte das Bild von Münsters Stadtmitte. Im September 2014 öffnete der Neubau seine Pforten, mit einer neuen Sammlungspräsentation und einem durchgehenden chronologischen Rundgang. Im Museum lernt Professor Boerne bei einer Vernissage eine chinesische Künstlerin kennen, die später ermordet aufgefunden wird. Boerne gerät dadurch unter Mordverdacht.

Weiter geht’s zum Bispinghof, woraus die Wilsberg-Macher ein Polizeirevier machten und für einen Dreh der Reihe eigens eine Telefonzelle hinstellten. In Wirklichkeit ist das Haus ein Uni-Gebäude, in demRomanisten, Slawisten und Erziehungswissenschaftler studieren. Die Spur führt uns jetzt durch die Universitätsstraße in den „Krummer Timpen“ zur Ecke Frauenstraße/Katthagen. Dort steht Wilsbergs Antiquariat, das in Wirklichkeit Michael Solder gehört und auch so heißt. Für die Dreharbeiten wird daraus kurzerhand das Antiquariat Wilsberg. Weil das Gebäude, samt Innenräumen, den Filmleuten als Schauplatz so gut gefiel, musste Wilsberg laut Drehbuch sogar beruflich umsatteln, hatte er doch in der ersten Folge noch einen Briefmarkenladen.

Gegenüber dem Antiquariat finden wir die Diözesanbibliothek. Im Film gibt das elegant-moderne Gebäude oftmals die Kulisse für Schauplätze gehobener Art: Als Firmenzentrale oder als Bankgebäude. Tatsächlich beherbergt das Haus eine der größten Spezialbibliotheken Deutschlands. Die preisgekrönte Architektur von Max Dudler bildet einen reizvollen Kontrast zur angrenzenden Überwasserkirche. Die Kirche ist eine der ältesten und ehrwürdigsten Kirchen der Stadt gehört zur Gebäudekulisse des Altstadtkerns. Im Film rückt das Gotteshaus immer wieder in den Focus, weil das Antiquariat von Wilsberg gegenüber liegt.

Wir folgen der Rosenstraße zum Spiekerhof, wo uns ein weiterer Tatort erwartet. Der Spiekerhof gehört – in Verlängerung von Prinzipal- und Roggenmarkt – zum Ring der mittelalterlichen Handelsstraßen Münsters. Einst stand hier der Kornspeicher der Domherren. Die Lambertikirche, unser nächstes Ziel, hat hoch am Turm drei Eisenkörbe, in denen der siegreiche Bischof die sterblichen Überreste dreier Anführer der Täufer zum Zwecke der Abschreckung ausstellte. Direkt darüber residiert in Münsters höchstgelegenem Dienstzimmer die Türmerin – eine der letzten in Europa. Erstmals urkundlich erwähnt wurde ein solcher Turmwächter 1383. 631 Jahre später arbeitet die erste Frau auf diesem Posten. Martje Thalmann ist seit Januar 2014 die Türmerin von St. Lamberti. Zu ihren Aufgaben gehört es auch heute noch, aus 75 Metern Höhe nach Bränden Ausschau zu halten. Eventuell gesichtete Feuer werden sofort der Feuerwehr gemeldet. Eine weitere, und weithin hörbare, Aufgabe der Türmerin ist das „Tuten“. Zwischen 21 Uhr und Mitternacht erklingt täglich, außer dienstags, jede halbe Stunde das Türmer-Horn, ein Nachbau des altehrwürdigen Horns aus dem 16. Jahrhundert. Das Zeitsignal wird jeweils in alle Himmelsrichtungen getutet: Richtung Prinzipalmarkt und Lambertusbrunnen im Süden, dem Domplatz im Westen, Drubbel im Norden. Um die vierte Windrichtung, Osten, rankt sich die Legende, es habe dort einmal ein Friedhof gelegen: „Um die Totenruhe, die man ja bekanntlich nicht stören soll, einzuhalten und nicht, wie in Goethes ‚Totentanz‘, gruselige Dinge zu erleben“, erklärt Martje Thalmann mit einem Augenzwinkern.

Durch den „Alten Steinweg“, der bereits zum mittelalterlichen Straßennetz Münsters und gilt als eine der ältesten Verkehrsachsen, gelangen wir zum Erbdrostenhof. Im Alten Steinweg befindet sich auch das „Alte Gasthaus Leve“, Münsters älteste Gaststätte. In einem Wilsberg Film hat die Geliebte eines Mordopfers hier ihr mondänes Büro mit wunderschönem Fensterblick auf den Alten Steinweg. Apropos Gaststätte: Auch Ermittler brauchen mal eine Pause. Und die haben wir im Marcellum, einem bekannten Restaurant und Café in Münster, bei einem leckeren Eis und Cappuccino eingelegt.

Der Erbdrostenhof, für viele Münsteraner das schönste Gebäude der Stadt, ist nur gelegentlich dem Publikum geöffnet, etwa für festliche Konzerte. Für ein Folge von Wilsberg fand hinter der barocken Prachtfassade eine glamouröse Modenschau mit dem Top-Model Sonja Conrad statt, das Hilfe gegen Stalker sucht.

Bevor wir das Stadtzentrum verlassen, kommen wir noch zu einem besonders brutalen Tatort, dem H4 Hotel Münster in der Stubengasse. In einer Tatort-Folge stürzt ein Hammermörder sein Opfer aus dem Fenster aus dem Hotel, direkt vor den herannahenden Bus. Das H4 Hotel Münster gehört zu den zentralsten der Stadt. Im oberen Stockwerk der preisgekrönten Stubengassenarchitektur, hat der Stadt völlig neue Wegebeziehungen und Flaniererlebnisse eröffnet.

Die nächsten Drehorte liegen etwas außerhalb des Stadtzentrums. Zuerst kommen wir zum Münsteraner Schloss, dass bei unserem Besuch leider eingerüstet und durch ein Reitturnier auf einer eigens davor angelegten Anlage in Beschlag genommen war. Das barocke Juwel wurde von Münsters berühmtem Baumeister Johann Conrad Schlaun errichtet. Es diente einst als fürstbischöfliche Residenz. Heute beherbergt das Schloss die Zentrale der Westfälischen Wilhelms-Universität, dem Herz des „jungen“ Münsters, seinen Studierenden. Dahinter liegt der Botanische Garten. Er bildet im Herzen der Stadt eine grüne Oase der Ruhe mit seinen exotischen Gewächsen, aber auch einem typisch münsterländischen Bauerngarten.

Zurück auf der der Straße am Stadtgraben, kommen wir zum Amtsgericht. Das Amtsgericht gehört zum umfangreichen Gerichtsquartier am Schlossplatz und Stadtgraben. In älteren Wilsberg-Folgen musste das ehrwürdige Gebäude als Münsters Stadtverwaltung herhalten. „Manni“ Höch hatte hier sein Büro, bevor er nach Bielefeld versetzt wurde. Dazu Wilsbergs trockener Kommentar: „Ein Schicksal schlimmer als der Tod!“ Am Stadtgraben entlang kommen wir dann zum Aasee. Hier lohnt sich eine Bootstour, ein Besuch im Freilichtmuseum Mühlenhof oder ein Skulpturen-Spaziergang rund um den See. Der Aasee eignet sich hervorragend, um eine Leiche unter- und wieder auftauchen zu lassen, wie im Tatort „Mörderspiele“. Oder für dramatische Auftritte wie Professor Boernes Einsatz als Rettungsschwimmer („Schwanensee“). Wir schließen unsere Spurensuche mit einem kurzen Besuch im Allwetterzoo ab. Der Publikumsmagnet, insbesondere für Familien, liegt idyllisch am grünen Ende des Aasees.

Unbedingt einen Besuch wert ist auch der Hafen mit dem Kreativkai. Der alte Stadthafen hat sich zur angesagten Ausgehmeile entwickelt. Die Kombination von Industriecharme und neuer Architektur ist mittlerweile als Standort für Kreative und exklusive Büros sehr gefragt. Im Film praktiziert hier Wilsbergs Patentochter „Alex“ Holtkamp als Rechtsanwältin mit Blick aufs Wasser. Im Tatort „Das Wunder von Wolbeck“ kraxelt Thiel tollkühn auf einem alten Verladekran herum.

Adels- und Herrensitze in und rund um Münster

Münster ist eingebettet in eine malerische Parklandschaft, in der es zahlreiche Schlösser und Wasserburgen, Herrensitze und Gartenanlage zu entdecken gibt. Ganz gleich, ob man kulturgeschichtlich interessiert ist oder sich einfach nur von den märchenhaften Kulissen verzaubern lassen will – ein Ausflug zu den Schlössern und Burgen ist ein Muss für jeden Münster-Besuch. Und da Münster ein Paradies für Fahrradfahrer ist, kann man einige der prachtvollen Bauwerke bequem bei einer Radtour ins Grüne erreichen.

Auch Sehenswert:

  • Haus Rüschhaus
  • Burg Hülshoff
  • Schloss Münster
  • Schloss Nordkirchen
  • Burg Vischering
  • Schloss Westerwinkel

Camping/Stellplätze

Text: Volker Ammann, Quelle: Münster Marketing, Titelfoto: c/o Volker Ammann