So wird das Wohnmobil wintertauglich

So wird das Wohnmobil wintertauglich

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Praxistipp

So wird das Wohnmobil wintertauglich

Für die einen ist es ein Traum, für die anderen das glatte Gegenteil: Der Winterurlaub im Wohnmobil. Doch wenn die Vorbereitungen am und im Fahrzeug richtig durchgeführt werden, wird der Campingurlaub im Schnee zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Winterfest oder wintertauglich? Im normalen Sprachgebrauch werden diese beiden Begriffe meist gleichbedeutend verwendet. Tatsächlich liegt der Definition aber ein großer Unterschied vor. Wintertauglich bedeutet grob gesagt, dass das Wohnmobil bei Temperaturen bis 0° Grad C ohne Einschränkungen verwendet werden kann. Winterfest ist das Fahrzeug hingegen nur dann, wenn es auch bei bis zu -15° Grad C im Inneren noch angenehm warm ist. Diese Kriterien werden nicht „einfach so“ oder bloß nach Gefühl geprüft, sondern anhand einer festgelegten Norm gemessen. Bei Wohnmobilen ist das die DIN-Norm EN 1646-1, bei Caravans die Norm EN 1645-1. Bevor wir zu den konkreten Maßnahmen für unbeschwertes Wintercampen kommen, werfen wir einen Blick auf die Normen, um festzustellen, was das Wohnmobil können muss, um als wintertauglich zu gelten.

Was bedeutet wintertauglich bei Wohnmobilen?

Das Wohnmobil muss bei Temperaturen bis zu 0° Grad Celsius vollumfänglich nutzbar sein, um als wintertauglich zu gelten. Die DIN-Norm EN 1646-1 schreibt dazu das folgende Testverfahren vor:

Phase 1 – Auskühlen
Das Testfahrzeug wird für mindestens zehn Stunden auf die Temperatur 0° C heruntergekühlt. Dazu werden alle Türen und Fenster geöffnet, damit das Fahrzeug wirklich vollständig auskühlt.

Phase 2 – Aufheizen
Ausgehend von der Starttemperatur von 0°C wird der Innenraum des Wohnmobils mit maximalem Tempo aufgeheizt. Der Messpunkt befindet sich einen Meter über dem Innenboden des Fahrzeugs in der Mitte des Wohnbereichs und muss sich binnen zwei Stunden auf +20° C erwärmen. Fünf weitere Messpunkte im Fahrzeug dürfen nicht mehr als 7 °C Differenz zu dieser Messung aufweisen.

Test bestanden – Wohnmobil ist wintertauglich
Wenn das Testfahrzeug diese Prüfung erfolgreich besteht, erhält es die Qualifikation „wintertauglich nach Stufe II“. Um als „winterfest nach Stufe III“ zu gelten, wird die Temperatur auf – 15° C abgekühlt und anschließend ebenfalls gemessen, wie schnell das Fahrzeug aufgeheizt werden kann. Zusätzlich wird aber noch geprüft, ob diese Temperatur stabil über 1 Stunde gehalten wird. Außerdem ist noch ein Check der Wasseranlage fällig, ob die Leitungen und Rohre nicht gefroren sind.

Welche Arten von Wohnmobilen sind besonders wintertauglich?

Nachdem wir jetzt wissen, was wintertauglich bedeutet, können wir zu den Maßnahmen kommen, die die Wintertauglichkeit verbessern. Dazu müssen wir zunächst die verschiedenen Arten von Wohnmobilen unterscheiden.

  • Kastenwagen (Van)
  • Teilintegrierte Wohnmobile
  • Integrierte Wohnmobile

Kastenwagen (Van)
Die meisten Kasten Kastenwägen sind nur bedingt wintertauglich, da sie nicht oder nur kaum, meist nur am Boden, isoliert sind. Die Fahrer-Beifahrertüren, Einstiegs-Schiebetüren und Hecktüren sind in der Regel nur mit einfachem Dichtgummi verschlossen. So gelangt die Kälte gelangt leichter in den Innenraum.

Teilintegrierte Wohnmobile
Sie haben einen isolierten und gedämmten Aufbau, besitzen jedoch „normale“ Fahrer- und Beifahrertüren, die ebenfalls Kälte hereinlassen. Verschiedene Modelle gibt es auch mit Fußbodenheizung.

Integrierte Wohnmobile
Sie haben die beste Wärmeisolierung und sind meist bestens für das Wintercamping geeignet. Allerdings sind sie in der Anschaffung teurer.

Die richtige Heizung wählen

Die Heizung entscheidet darüber, ob man im Wohnmobil im Winter friert oder den Urlaub ganz entspannt genießen kann. Mit modernen Umluftheizungen im Wohnmobil wirds mollig warm und man fühlt sich im Camper genauso wohl wie im heimischen Wohnzimmer. Außerdem vermeidet man dadurch Schäden an der Bordtechnik, zum Beispiel durch gefrorenes Wasser in den Leitungen.
Die Gebläse der Heizungen, zum Beispiel von Truma, heizen die Wohnmobile nicht nur punktuell, sondern über die Luftschläuche und Austrittsdüsen den gesamten Raum des Fahrzeugs. Durch die Tatsache, dass die Auslässe für die Warmluft unten angeordnet sind, bekommt man warme Füße wie bei einer Fußbodenheizung. Die warme Luft steigt nach oben, und heizt so das gesamte Wohnmobil. Störende Zugluft wird durch gute Isolation vermieden.
Warm bleiben sollen aber nicht nur die Insassen, sondern auch wichtige technische Komponenten des Wohnmobils sowie der Stauraum. Dafür sorgen unter anderem Doppelböden, darin zirkuliert die warme Luft wie in einem Keller. Diese Bauweise sorgt auch für einen geringeren Gasverbrauch, da der Doppelboden als Wärmespeicher fungiert. Der Fahrerhausbereich und der Einstieg hinter der Aufbautür sind ebenfalls gezielt beheizt, damit Camper im Wohnmobil garantiert nicht frieren müssen.

Das Fahrzeug vollständig dämmen

Wer einmal mit einem Auto im Winter liegengeblieben ist und eine Weile im Fahrzeug ohne Heizung ausharren musste, weiß: Auf die Dämmung kommt es an. Während PKW meist kaum wärmegedämmt sind, sieht das bei Wohnmobilen anders aus. Allerdings gibt es hier große Unterschiede. Moderne Fahrzeuge verwenden hierzu extrudiertes Polystyrol, auch als RTM-Schaum, Styrofoam oder Styrodur bekannt. Das ist zwar steif und etwas teurer und schwerer als Styropor, hat aber geschlossene Poren und saugt deshalb kein Wasser auf. Durch die steifere Struktur nimmt es zudem mehr Last auf und braucht daher weniger Verstrebungen – ein Vorteil für den Hersteller bei der Konstruktion. Die Dämmungseigenschaften von RTM-Schaum sind ausgezeichnet.

Tipp: Hier gibt es weitere nützliche Tipps zum Wintercamping..

Kältebrücken vermeiden
In Kombination mit Kanten aus Polyurethan, ergibt sich ein gut gedämmter und gleichzeitig stabiler Fahrgastraum. Hochstabile Verzahnungsprofile verbinden die einzelnen Teile und schließen Kältebrücken zuverlässig aus – es bleibt drin also kuschelig warm. Außen sind die meisten Wohnmobile mit einer Schicht aus GFK und Aluminium umhüllt, die lange Jahre vor Wind und Wetter schützt und auch Hagel abhält. GFK schützt bei vielen Wohnmobilen zudem die Unterseite des Fahrzeugs gegen Steinschlag und Nässe.

Die passenden Fenster
Zu guter Letzt sind auch die Fenster wichtig für die Wintertauglichkeit eines Wohnmobils. Denn: Trotz der Kälte soll ja Licht hineinkommen und ab und an gelüftet werden. Aufbaufenster mit einem Rahmen aus PU und Isolierverglasung sind hier die beste Wahl: Sie lassen die Wärme drin und halten die Kälte draußen.

Und wenn wir schon beim Thema Lüften sind: Gerade im Winter ist es wichtig regelmäßig zu lüften. Ansonsten sammelt sich Feuchtigkeit im Fahrzeug, was im schlimmsten Fall sogar zu Schimmel führen kann. Deshalb gilt: Ruhig ein paar Mal am Tag mehrere Minuten kurz lüften. Damit steht dem Wintervergnügen mit dem Wohnmobil nichts mehr im Wege!

Mit Vorsorge zum Traumurlaub im Schnee

Generell sollte ein Wohnmobil das ganze Jahr über gepflegt und durchgecheckt werden. Die kalten Temperaturen, Nässe, Salz und andere Widrigkeiten erfordern aber noch ein wenig mehr. Motorseitig muss sichergestellt werden, dass alle Flüssigkeiten aufgefüllt und frostsicher gemacht wurden. Die Batterien des Wohnmobils leiden bei strengem Frost ebenfalls und müssen ab und zu kontrolliert werden. Damit die Karosserie des Wohnmobils keinen Schaden nimmt, gilt es auch hier, entsprechende Vorkehrungen zu treffen. Vor allem dann, wenn auf den Straßen Salz und Split gestreut werden, steigt die Gefahr von Schäden, die mit der Zeit richtig ärgerlich und ziemlich teuer werden können, denn mit Rost ist nicht zu spaßen. Wer rechtzeitig vor der Reise die Vorbereitungen trifft, hat jedoch alles im Griff. Unsere Checkliste gibt Ihnen wertvolle Tipps. Quelle: Pincamp

Checkliste für Wintercamping mit dem Wohnmobil

  • Heizung, Boiler, Gebläse rechtzeitig vor der Abfahrt checken.
  • Funktionsfähigkeit der Beleuchtung, auch der Standlichter kontrollieren.
  • Tür- und Fenstergummis mit Gummipflegemittel ohne Lösungsmittel (Vaseline) pflegen.
  • Prüfen, ob alle technischen Prüfplaketten (TÜV, AU, Gas) noch gültig sind.
  • Motor- und Scheibenfrostschutz, Öl sowie Bremsflüssigkeit kontrollieren und gegebenenfalls nachfüllen.
  • Scheibenwasser-Frostschutz, der bis mindestens minus 25 Grad geeignet sein sollte, auffüllen.
  • Hubstützen mit salzwasserresistentem Winschenfett schmieren.
  • Radläufe und Teile des Rahmens mit Unterbodenwachs versiegeln.
  • Fahrzeug waschen, versiegeln und gut abtrocknen lassen.
  • Scheibenwischergummis prüfen und gegebenenfalls austauschen.
  • Start- und Bordbatterie überprüfen. Wenn an den Polen eine weiße Schicht zu sehen ist, Pole reinigen und mit Polfett einfetten. Schraubkontakte auf festen Sitz kontrollieren. Auch bei wartungsfrei angebotenen Nassbatterien unbedingt den Flüssigkeitsstand prüfen und gegebenenfalls mit destilliertem Wasser auffüllen.

Noch mehr als zu anderen Jahreszeiten kommt es beim Wintercamping zudem auf die richtige Ausrüstung an. Um bei Eis und Schnee einen erholsamen Campingurlaub zu verbringen, sollten sich folgende Dinge im Gepäck befinden.

Die wichtigste Ausrüstung fürs Wintercamping

  • Taschenlampe und Ersatzbatterien
  • Starthilfekabel
  • Schneeketten
  • Schneeschaufel und Besen
  • Warme Arbeitshandschuhe
  • Holzbretter, die bei Tauwetter verhindern, dass Hubstützen und Reifen einsinken
  • Unterlegteile aus Kunststoff, grober Sand oder Salz als Traktionshilfe
  • Ersatzbirnchen
  • Eiskratzer, Enteisungsspray für Türschlösser
  • Anstell-Leiter zum Befreien des Dachs von Schnee und Eis

Wenn sowohl das Fahrzeug als auch die Ausrüstung vorbereitet ist, steht einem aufregenden Campingtrip mit dem Wohnmobil im Winter nichts mehr im Weg. Gute Fahrt!

Text: Volker Ammann, Quelle: Pincamp
Wir bedanken uns bei den Kollegen von PinCamp ganz herzlich für die freundliche Unterstützung. Auf www.pincamp.de finden Sie Ihren Wunschcampingplatz für den Skiurlaub und können ihn auch gleich buchen.

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