Miltenberg und Bürgstadt: Fachwerkzauber und Rotweinidylle am Mainknick

Städtereise

Miltenberg und Bürgstadt: Fachwerkzauber und Rotweinidylle am Mainknick






Wer durch die malerischen Gassen von Miltenberg schlendert, spürt sofort den besonderen Charme dieser historischen Perle am Main. Eingebettet am Knie des Mainvierecks, genau an der Nahtstelle zwischen Spessart und Odenwald, zieht die Region Besucher magisch an. Doch die Postkartenidylle von Miltenbergs Altstadt verdankt ihre markante Form einer Laune der Natur: Weil der Main sich hier dicht an den Fuß des Odenwaldes presst, blieb den Menschen auf der linken Mainseite seit jeher nur ein schmaler Streifen Land zum Leben, der im Laufe der Jahrhunderte immer wieder von beträchtlichen Hochwassern überspült wurde.
Wie gut, dass direkt östlich an den historischen Stadtkern eine Gemeinde grenzt, die das Erlebnis perfekt abrundet: Das Weindorf Bürgstadt. Zusammen mit den rechtsmainischen Nachbarn bildet dieses sympathische Quartier ein lebendiges Zentrum von über 22.000 Einwohnern. Kommen Sie mit auf einen ausgedehnten Entdeckungsrundgang, der das Beste aus zwei Welten verbindet – von steilen Gassen bis hin zu sonnenverwöhnten Weinreben.
Station 1: Miltenbergs historische Altstadt
Das berühmte „Schnatterloch“ und das Schwarzviertel
Unser Rundgang beginnt am Herzstück von Miltenberg: dem Marktplatz, im Volksmund liebevoll „Schnatterloch“ genannt. Umgeben von prachtvollen, windschiefen Fachwerkhäusern und gekrönt vom Renaissance-Marktbrunnen aus dem Jahr 1583, fühlt man sich hier, wie in eine andere Zeit versetzt.
Vom Marktplatz aus führt der Weg direkt in das urige Schwarzviertel, den ältesten Kern der Stadt. Da sich der Greinberg steil über dem Viertel erhebt, schafft es die Sonne in den Wintermonaten kaum bis in die engen Gassen. Hier reiht sich ein jahrhundertealtes Fachwerkhaus an das nächste – darunter auch das älteste erhaltene Fachwerkhaus der Stadt (Hauptstraße 136), das um 1339 erbaut wurde.
Hoch hinaus zur Mildenburg
Wer vom Schnatterloch den sanften Aufstieg wagt, wird belohnt. Hoch über der Altstadt thront die Mildenburg aus dem 12. Jahrhundert. Heute beherbergt sie ein Museum, das eine faszinierende Sammlung russischer Ikonen mit zeitgenössischer Kunst zusammenbringt. Der wahre Höhepunkt ist jedoch der Panoramablick vom Bergfried über Miltenberg und das malerische Maintal. Immerhin erstreckt sich das Stadtgebiet von hier oben bis hinauf zum Gipfel der „Kohlplatte“ (482 m ü. NHN), während unten träge der Main auf 120,5 m ü. NHN vorbeifließt.
Kulinarische Pause in Miltenberg: Wo man einkehrt
Nach so viel Kultur wird es Zeit für die genussvolle Seite der Stadt: Gasthaus „Zum Riesen“ (Hauptstraße 97): Ein absolutes Muss. Es gilt als die älteste Fürstenherberge Deutschlands (1411 erstmals urkundlich erwähnt). In den holzgetäfelten Gasträumen, wo einst Kaiser Karl VI. einkehrte, genießt man heute deftige „Miltenberger Rossäpfel“ (Leberknödel mit Sauerkraut) oder eine knusprige Haxe. Dazu trinkt man das malzbetonte Riesen Spezial oder ein Faust Schwarzviertler Dunkelbier aus der direkt im Schwarzviertel ansässigen Brauhaus Faust.
Zipf’s Wein- und Gasthof Steuer: Ein wunderbarer Ort mitten in der Altstadt, um bei einem Glas regionalem Wein feine, fränkische Küche in gemütlicher Atmosphäre zu genießen.
Station 2: Der Sprung nach Bürgstadt – Kultur und Rotwein
Vom östlichen Ende der Miltenberger Altstadt ist es nur ein kurzer Spaziergang (oder eine entspannte Radtour am Mainufer entlang) über die Gemeindegrenze nach Bürgstadt. Wo Miltenberg durch seine Enge besticht, öffnet sich hier das Tal an der Mündung der Erf und gibt den Blick frei auf sanfte Rebhänge.
Die „Sixtinische Kapelle“ des Mainvierecks
Bürgstadt verbirgt ein kulturhistorisches Juwel von europäischem Rang: die Centgrafenkapelle und vor allem die unscheinbare Martinskapelle aus dem 10. Jahrhundert. Wer das Innere der Martinskapelle betritt, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Die Wände sind über und über mit der sogenannten „Bilderbibel“ aus dem Jahr 1593 bedeckt. In rund 40 detailreichen Medaillons werden hier Szenen des Alten und Neuen Testaments meisterhaft dargestellt – ein farbenprächtiges Comic-Buch der Renaissance, das Kunstliebhaber magisch anzieht.
Das Geheimnis des Roten Buntsandsteins
Bürgstadt ist weit über die Grenzen Frankens hinaus für seine Spitzenweine bekannt, allen voran der Spätburgunder und der Frühburgunder. Das Geheimnis liegt im Boden: Die Reben wachsen auf dem mineralreichen roten Buntsandstein des Bürgstadter Centgrafenbergs. Diese Böden speichern tagsüber die Hitze und verleihen dem Wein eine unverwechselbare, elegante Würze und samtige Tiefe.
Kulinarische Pause in Bürgstadt: Heckenwirtschaften und Genuss
In Bürgstadt dreht sich alles um die fränkische Geselligkeit. Ein besonderes Erlebnis ist der Besuch einer Häckerwirtschaft (regional auch „Heckenwirtschaft“ genannt). Das sind die temporär geöffneten Gutsschänken der Winzer, die man am ausgesteckten Reisigbesen über dem Tor erkennt.
Weingut Paul Fürst: Wenn es um absolutes Spitzenniveau geht, führt an diesem Weingut kein Weg vorbei. Es gehört zur absoluten Elite des deutschen Rotweinanbaus. Eine Verkostung des Spätburgunders vom Centgrafenberg im eleganten Verkaufsraum ist ein bleibendes Erlebnis.
Weingut Weingärtner / Weinstube „Zur Centgrafenkapelle“: Hier lässt sich die sprichwörtliche fränkische Gemütlichkeit perfekt erleben. Bei einer zünftigen Winzerplatte (mit Hausmacher Wurst, Obazda und frischem Bauernbrot) und einem Glas hauseigenem Frühburgunder lässt es sich wunderbar verweilen.
Weingut & Weinstube Meisenzahl: Ein weiteres, traditionsreiches Haus, das regelmäßig seine Heckenwirtschaft öffnet. Hier sitzt man oft mit den Einheimischen an langen Holztischen zusammen und kommt schnell ins Gespräch über Wein, Gott und die Welt.
Der perfekte Ausklang
Wer nach dem Ausflug nach Bürgstadt den Rückweg antritt, wählt am besten den Weg über die Miltenberger Mainbrücke. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erweiterte sich Miltenberg durch clevere Landkäufe von der gegenüberliegenden Gemeinde Großheubach auf die rechte Mainseite. Von der Brücke aus hat man den schönsten Blick: Links das weitläufige, sonnenverwöhnte Bürgstadt mit seinen Weinbergen, rechts die schmale, stolze Altstadt von Miltenberg, die sich eng an den Odenwald schmiegt.
Der Miltenberg- und Bürgstadt-Kompass
| Ort / Highlight | Typ | Das erwartet Sie |
| Schnatterloch (Miltenberg) | Kulisse | Der ikonische, historische Marktplatz mit Fachwerkidylle pur. |
| Zum Riesen (Miltenberg) | Gastronomie | Urige Einkehr im ältesten Gasthaus Deutschlands bei Bier und Haxe. |
| Martinskapelle (Bürgstadt) | Kultur | Einzigartige, vollständig ausgemalte Renaissance-Bilderbibel von 1593. |
| Centgrafenberg (Bürgstadt) | Natur / Wein | Berühmte Weinlage; perfekt für eine Wanderung auf dem Fränkischen Rotwein Wanderweg. |
| Bürgstadter Häckerwirtschaften | Gastronomie | Saisonale Weinstuben der Winzer für Spitzen-Rotwein und deftige Brotzeiten. |
Fazit: Die Kombination macht’s! Während Miltenberg mit seiner dramatischen Geografie und monumentalen Fachwerkarchitektur beeindruckt, schenkt Bürgstadt dem Besucher die mediterrane Leichtigkeit eines traditionsreichen Winzerdorfes. Zusammen sind sie das perfekte Wochenendziel im Mainviereck.
Text: Vam, Titelbild: ©Tourismus Miltenberg, Holger Leue
Wir bedanken uns bei Ulrike Ackermann, Tourismus Miltenberg, für die freundliche Unterstützung.
Übernachten
Campingplatz „MainCamping“
Josef-Wirth-Straße 1, 63897 Miltenberg
Telefon: 09371 3985
E-Mail: info@campingplatz-miltenberg.de
